* Erläuterungen zum Inventar siehe Legende

Objekt-Nr. 2008-172

Konstruktion: Grenadill. 3-teilig. H-Fuss. Kopfstück Neusilber, ohne Stimmzug; Mundplatte Hartgummi mit Schwedler-Mundloch. 20 Klappen aus Neusilber. Cis-Brille. D-Mechanik. H/C-Triller mit zusätzlicher Klappe für G3/A3- und Gis3/A3-Triller. Zusatzhebel zu B ergibt mit zusätzlichem Tonloch E3/D3-Triller (falls lH 1 geschlossen) und E3/F3-Triller. Mehrere Klappen einzelstehend; restliche an Achsen. Achsen geschraubt; Säulchenlagerung. Rollen aus Korallen-farbenem Kunststoff. Noch keine F-Mechanik.

Masse: Lt 71.5 / Ls 63.7 / Dm 18.8 – 12.5 / ML 11.5 x 9.9 / A1 = ca. 438 Hz

Signatur: auf Korpus / REFORM-FLÖTE / (in gebogenem Banner) SCHWEDLER & KRUSPE / (Anker) / (in Oval) CARL KRUSPE / LEIPZIG / (Monogramm) KC / D.R.G.M. 105527 /. Auf Fussteil / (Anker) / (in Oval) CARL KRUSPE / LEIPZIG / (Monogramm) KC /.

Etui original

Zustand: 2 Gebrauchsspuren
Spieleigenschaften: 3 kräftiger, voller, etwas nasaler Klang. Intonation gut, doch E3 tief
Seltenheit: 2

Hersteller: Maximilian Schwedler (1853 – 1940), langjähriger Soloflötist des Gewandhausorchesters Leipzig und einflussreicher Pädagoge, hielt zeitlebens an der konischen Holzflöte fest, namentlich wegen ihres spezifischen Klanges und der vertrauten Griffe. Ab ca. 1884 entwickelte er zusammen mit dem Leipziger Instrumentenbauer Friedrich Wilhelm Kruspe (1838 – 1911; Firma Carl Kruspe) eine Reihe von Verbesserungen an der herkömmlichen Mehrklappen-Flöte. 1898 brachte er in Zusammenarbeit mit Carl Kruspe jun. das erste Modell seiner ‚Schwedler & Kruspe Reform-Flöte‘ heraus (siehe 2008-172); weitere Modelle folgten 1901 und 1912. Nach dem Verkauf der Firma Kruspe an G. H. Hüller (1920) arbeitete Schwedler mit dem Leipziger Instrumentenbauer Moritz Max Mönnig zusammen (siehe 2008-173). Reformflöten wurden auch von zahlreichen anderen Werkstätten hergestellt, allerdings ohne die geschützte Bezeichnung ‚Reform-Flöte’ und oft mit eigenen Modifikationen (siehe 2006-171).

Die Reformflöten zeichneten sich aus einerseits durch eine veränderte konische Bohrung, andererseits durch eine Mundlochplatte mit zwei seitlichen 'Höckern' (zur besseren Fokussierung des Luftstromes), durch die Verwendung von Achsen und Nadelfedern sowie durch einige zusätzliche Trillerklappen. Die ‚Reform-Flöte System Schwedler-Kruspe‘ von 1898 wies zudem ein Kopfstück aus Metall (meist mit ‚Schwedler - Mundplatte‘ aus Hartgummi), akustisch korrektere Tonlochpositionen mit entsprechend modifizierter Mechanik und den sog. Fis-Mechanismus auf, der mit einem zusätzlichen Tonloch diesen tendenziell zu tiefen Ton etwas anhob. Spätere Reform-Modelle verfügten zudem unter anderem über einen D-Mechanismus (ein zusätzliches Tonloch im Fussteil zur Erhöhung von D und Dis) sowie über einen F-Mechanismus, der das Greifen von F und Fis mit demselben Finger (rH 1) erlaubte. Die Gesamtheit dieser Verbesserungen resultierte in einer Mechanik, deren Komplexität und Störanfälligkeit jene des Böhm-Systems bei weitem übertraf - die späten Modelle wiesen 20 oder mehr Klappen auf - und die in Deutschland vormals weit verbreitete Reform-Flöte bis in die 1940er Jahre allmählich verschwinden liess.

Das vorliegende Modell mit der D.R.G.M.-Nummer 105527 (Deutsches Reichsgebrauchsmuster) wurde 1898 unter der Bezeichnung ‚Reformflöte System Schwedler-Kruspe (Leipzig)‘ eingetragen. Schwedler entwickelte das Instrument - ebenso wie das Nachfolgemodell von 1912 - in Zusammenarbeit mit Carl Kruspe jun. (1865 – 1929), dem ältesten Sohn und Nachfolger des Firmengründers Friedrich Wilhelm Kruspe. - Das vorliegende Instrument stellt als Modell 1910 eine Weiterentwicklung des Modells von 1898 dar und weist die meisten Charakteristika der ausgereiften Reformflöte auf, so u.a. Metallkopf mit Schwedler-Mundloch; akustisch korrektere Positionierung der Tonlöcher mit entsprechender Klappenmechanik; Cis-Brille (zusätzliches Tonloch/Klappe zur Erhöhung des Cis); Fis-Mechanik (zusätzliches Tonloch/Klappe zur Erhöhung des Fis); D-Mechanik (zusätzliches Tonloch/Klappe am Fussteil zur Erhöhung des D). Die F-Mechanik (Fis und F sind beide mit rH 1 zu greifen) zeichnet allerdings erst das Nachfolgemodell 1912 aus – der ‚Rollhebel‘ für rH 1 bei vorliegendem Modell 1910 dient lediglich zum Schliessen eines kleinen Tonloches, um das Fis3 zu korrigieren. Das F wird beim Modell 1910 herkömmlich mit der Lang-F und Kurz-F - Klappe erzeugt.