* Erläuterungen zum Inventar siehe Legende

Objekt-Nr. 2014SB-30

KLANGBEISPIEL Joseph Haydn (1732 - 1809): Streichquartett Nr. 8, Andante Cantabile

Konstruktion: Cocusholz (?) lackiert. 4teilig. Cis-Fuss. Bohrung konisch. Kopfstück ohne Stimmzug. Garnituren und Korkspindel mit Indexstift aus Elfenbein. Kappe aus Holz, mit eingelegter Elfenbeinplatte. 5 Klappen aus Silber (B, Gis, F, Dis, Cis), Lagerung in Holzböcken. Anordnung für linkshändigen Gebrauch.

Masse: Lt 63.1 / Ls 56.2 / Dm 18.4 – 12.1 / ML 9.5 x 8.5 / A1 = ca. 429 Hz

Signatur: auf allen Teilen / POTTER / SENIOR / auf Fussteil zusätzlich / LONDON / 1777 / Im obersten Teil des Kopfstückes eingeklebter Zettel mit handschriftlicher Notiz: / Adam Kelterborn / 1811 – 1878 / Maler /

Zustand: 2 Elfenbeinring am Kopfstück mit mehreren reparierten Rissen. Kappe ev. nicht original. Lederpolster alt, wahrscheinlich nicht original. Unterer Teil der Cis-Klappe ev. nicht original.
Spieleigenschaften: 3 weicher, angenehmer Klang. 1. Oktave etwas fragil, A3 spricht etwas schwer an
Seltenheit: 3 Flöten aus der Manufaktur Potter sind nicht wirklich selten, wohl aber solche aus der frühen Periode von ‚Senior‘ Richard Potter, und bsonders solche für Linkshänder

Hersteller: Richard Potter (1726 – 1806; Werkstatt 1745 – 1823) war ein berühmter Londoner Blasinstrumentenbauer. Er soll als einer der ersten Mehrklappenflöten konstruiert haben und führte einige Neuerungen ein (u. a. 1785 Patent für die 6-klappige ‚Improved German Flute‘ mit konischen Zinnpolstern, Stimmzug aus Metall, Fuss-Register, gradierte Korkspindel). Wohl zur Abgrenzung von seinen Söhnen Richard Huddleston (1755 -1821) und William Henry (1760 – 1848; sein späterer Nachfolger) zeichnete Richard Potter seine Instrumente ab ca. 1770 mit POTTER SENIOR. Erste mehrklappige Flöten (meist für F, B, Gis und ev. Cis) erschienen in London um ca. 1765/70. Richard Potter baute mehrklappige Flöten ab 1776 und datierte sie ab diesem Jahr. Das vorliegende Instrument ist also eine der frühesten Mehrklappenflöten von Potter, und wohl auch ganz allgemein. Instrumente mit speziellen Klappenanordnungen für Linksspieler finden sich nicht häufig.

Zum früheren Besitzer dieses Instrumentes sagt das ‚Schweizer Lexikon‘: Kelterborn, Ludwig Adam „15.2.1811 Hannover, 6.6.1878 Basel, ref., ab 1839 von Basel. Sohn des Friedrich, Schusters. ∞ 1839 Augusta Margaretha Märklin. K. bereitete sich auf das Malstud. an der Akad. Dresden vor, liess sich jedoch nach dem Tod des Vaters zum Dessinateur ausbilden. 1828-31 arbeitete er in der Indiennefabrik von Mülhausen. Dann siedelte er 1831 nach Basel über, wo er ab 1835 als Zeichenlehrer an der Zeichenschule und ab 1837 an den Stadtschulen wirkte. Daneben schuf er, beeinflusst von den Nazarenern und von Hieronymus Hess, zahlreiche Genrebilder. In den 1830er Jahren entstanden seine polit. Karikaturen.“