Ein wichtiges Anliegen ist mir, dass die Instrumente spielbar sind: Sie wurden zur Klangerzeugung geschaffen, und sie sollen diese Funktion auch als historische Zeugnisse noch erfüllen können. Viele meiner Flöten erhalte ich in vernachlässigtem Zustand: Sie sind offensichtlich während Jahren oder Jahrzehnten nicht mehr gespielt, manche zuvor schon schlecht behandelt und die meisten ungünstig gelagert worden. Um wieder spielbar zu werden, müssen sie sorgfältig gereinigt, die Polster erneuert, die Mechanik geölt und einreguliert, Federn und Stimmkorken ersetzt werden. Besonders anspruchsvoll ist die Reparatur von Rissen im Holz oder Elfenbein, Ersatz fehlender Teile wie Klappen, Ringe, Zapfen oder Kappen, etc. Diese Arbeiten erfordern hohe Fachkompetenz, sind oft zeitaufwändig und werden am besten erfahrenen Instrumentenbauern überlassen - was mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Natürlich bedeutet jede Reparatur einen Eingriff in die Originalsubstanz des Instrumentes. Deshalb sollten ersetzte Teile aufbewahrt und tiefergreifende Massnahmen - etwa das Schliessen von grösseren Rissen oder Absplitterungen bei Holzflöten - dokumentiert werden, denn solche Eingriffe (z.B. bei Verwendung von Kunstharz-Klebern) sind meist irreversibel.


Flöte von Johann Joseph Ziegler (Wien, um 1855) vor und nach der Reparatur durch Björn Kempf, Berlin. Holzflöten des 19. Jhdt aus England, Deutschland und Österreich verfügen oft über Kopfstücke mit einem eingelegten Metallrohr. Dies führt im Lauf der Zeit häufig zu Rissen im äusseren Rohrmaterial (nebst Holz oft auch Elfenbein), weil es im Gegensatz zum stabilen Innenrohr durch die Austrocknung schrumpft.


Dass die Nutzung historischer Musikinstrumente Gefahren birgt, ist offensichtlich. Dies gilt ganz besonders für lange nicht mehr benutzte Holzblasinstrumente, deren ausgetrocknetes Holz unter dem Einfluss der warmen und feuchten Blasluft reissen kann. Aus diesen konservatorischen, allerdings oft auch aus personellen Gründen sind die meisten öffentlichen Museen und Sammlungen gezwungen, ihre Musikinstrumente ‚stillzulegen‘ und nur in Ausnahmefällen zum näheren Studium auszuhändigen. Zu den wenigen Ausnahmen, welche Holzblasinstrumente - natürlich unter restriktiven Bedingungen - zum Gebrauch freigeben, gehören etwa die Bate Collection in Oxford und seit kurzem auch die 'Klingende Sammlung Burri' in Bern. Das Risiko von nutzungsbedingten Schäden lässt sich wesentlich vermindern, wenn die Instrumente fachkundig gelagert, gepflegt sowie schonend und vor allem regelmässig gespielt werden. Entsprechend habe ich bisher kaum Schäden an den von mir gespielten Flöten feststellen müssen.


Öffentliche Studiensammlung?

Unter diesen Voraussetzungen bin ich auch bereit, meine Instrumente verantwortungsbewussten Musikern zum näheren Studium zur Verfügung zu stellen. Es scheint mir wichtig, dass möglichst viele, vor allem auch angehende Flötist/innen Erfahrungen mit der Vielfalt und den spezifischen Spiel- und Klangeigenschaften originaler historischer Flöten machen können. Zu hoffen wäre auch, dass Originalinstrumente vermehrt nachgebaut würden, um so eine breitere Palette an geeigneten historischen Modellen verfügbar zu machen. Ich bin überzeugt, dass die Beschäftigung mit Originalinstrumenten vertiefte Einblicke in die Klangwelt früherer Komponisten vermitteln und damit neue Impulse für die Interpretation ihrer Werke - nicht zuletzt auch auf der modernen standardisierten Böhmflöte - geben kann. So trage ich mich mit dem Gedanken, meine Flötenkollektion zu gegebener Zeit und unter klar definierten Bedingungen einer geeigneten Institution als öffentlich zugängliche Lehr- und Studiensammlung zu überlassen.